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Ja ich habs getan. Entgegen aller Warnhinweise begann ich im Mai Wohnungen innerhalb Pozzuolis zu besichtigen. Nein, ich brauche kein Haus mit 5 Zimmern, drei Bäder und für mich sind keine zwei Stellplätze und eine Garage wichtig. Ja, ich möchte in Wassernähe wohnen, ja, meine Zimmer sollen zum Meer gerichtet sein und ja, mittendrin. Warum sonst bin ich denn in Italien? Jeder setzt seine Prioritäten anders, meine waren eine Wohnung am Meer.
Wenig Hoffnung wurde mir gemacht und trotzdem startete ich meine Besichtigung mit der italienischen Maklerin Anna (mir wurde gleich auf den Weg mitgegeben, dass sie sowieso nichts hat und immer nur renovierungsbedürftige Bruchbuden zeigt). „Voller Elan“ ging es los zur ersten Wohnung in Pozzuoli, nahe Metro. Mir wurde eine komplett neu renovierte Wohnung mit Garten gezeigt, allerdings mit nur einem Schlafzimmer etwas zu klein. Als ich das erwähnte, wurde mir gleich zugesagt, die Wand zwischen Wohnung 1 und Wohnung 2 nebenan rauszureißen und so hätte ich, immer noch für die gleiche Miete, eine doppelt so große Wohnung. Eine komplett neu renovierte Wohnung mit Garten und zwei riesigen Bäder mit Badewanne??? Ich war wirklich überrascht. Leider fehlte mir der Meerblick und so wurde mir im gleichen Haus die Wohnung darüber angeboten. Mit Meerblick, aber ohne Garten, dafür aber auch komplett neu renoviert und mit Dachterasse. Da ich nicht gleich die ersten Objekte zusagen wollte, ging es weiter. Die Maklerin fuhr zur Via Campana, aber das war mir zu weit weg. Sie fuhr trotzdem vor das Haus aber ich stieg nicht aus und sagte zum wiederholten Male, dass ich am Meer wohnen möchte. Ja, sie hätte da noch was am Hafen Pozzuolis, allerdings teurer. Sie erzählte von einer mehrstöckigen Wohnung mit großer Terasse über einer Bar. JA! Die will ich sehen! Erstmal war es egal, was sie kosten sollte. Vom Barbesitzer gab es die Schlüssel und wir gingen zwei steile lange Treppen nach oben. Die Tür ging auf und meine Begeisterung hielt sich kaum in Grenzen. Ein Wohnzimmer direkt zum Meer gerichtet, eine Holzdecke, ein hellblau glänzender Fliesenboden, ein riesiger, rustikaler antiker Wandspiegel als Trennwand, ein ziemlich neuwertiges Badezimmer, einfach toll. Die Treppe hoch ging es in das mit Laminat ausgelegte Schlafzimmer und zum zweiten Badezimmer. Ich stand vor dem Traum einer fast jeder Frau: Ein 9-türiger eingebauter Kleiderschrank, der um zwei Wandlängen herum reichte. WOW!  Die Wohnung war bis dahin unschlagbar, und als wir dann noch eine Treppe nach oben gingen, wusste ich, dass das hier meine Traumwohnung ist. Eine ca. 40qm große Dachterrasse mit weißen Säulen und blauem Geländer, ohne Nachbarn, zum Meer hingerichtet und plus zusätzlichem Raum mit integrierter Küche. "Diese Wohnung will ich haben!" Sie nannte mir den Mietpreis von 1400 Euro, also 200 Euro über meiner Mietobergrenze und ich sagte nur: "Für 1300 Euro nehme ich sie sofort". Der Vermieter war einverstanden, ich machte noch ein paar Fotos und fuhr in größter Euphorie zurück zum Standort Bagnoli. Tja, und dort wurde mir erstmal Wind aus den Segel genommen. Ich fasse kurz alles zusammen:
Du willst am Hafen wohnen... - und nimmst es in Kauf, das deine Wohnung immer nach Fisch stinkt? (Hä?) - jeden Morgen ab 5 Uhr der LKW-Verkehr dich weckt? (Was für LKW´s?) - über einer Bar, das heißt, keine Nacht schlafen vor lauter Party? (Moment, ich wohne über der Bar, nicht in der Bar) - ohne Parkmöglichkeit (ach stimmt ja, die Neue hat kein Auto) - wo Menschen erschossen werden (also das kenn ich noch von Neu-Ulm) - ohne Supermarkt in der Nähe (brauch ich nicht, hab ja den Fisch) - mit täglichem Feuerwerk vor dem Fenster (wo?) - zwischen lauter italienisch sprechenden Menschen (das ist natürlich schon ein Ding und das in Italien!!!) - ohne Alarmanlage? Deine Wohnung ist nach einem Tag ausgeräumt! (Na viel Spaß den Einbrechern mit dem Klavier) - du wirst schon sehen wie die Mücken dich dort auffressen werden! (erinnert mich gerade an „Die Vögel“ von Alfred Hitchcock) Es nahm kein Ende mit all den Bemerkungen und trotzdem wollte ich dort wohnen. Ich sagte allen anderen Makler ab, unterschrieb den Mietvertrag und zog ein. Heute, nach drei Monaten in der Wohnung, muss ich sagen, dass es immer noch meine absolute Traumwohnung ist. Es stinkt weder nach Fisch noch hab ich Probleme mit dem Lärm und 2 Mückenstiche vom letzten Monat habe ich überlebt. Die Nachbarn der umliegenden Häuser sind wahnsinnig freundlich, jeder kennt jeden und jeder spricht mit jedem. Abends sitzen sie auf Plastikstühlen unten in der Gasse, knoten ihre Fischernetze oder spielen Karten. Vom Sofa aus sehe ich den Sonnenuntergang und im Juli schlief ich jede Nacht draußen auf der Terrasse. Wenn ich um 23 Uhr noch wach war und nach oben schaute stand der Mond direkt über meinem Bett...das ist für mich Italien und ja so will ich wohnen.
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