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FAVE - Auch Goethe wusste sie schon zu schätzen
Geschrieben von: Andrea Ebner   
Samstag, den 24. Juli 2010 um 19:33 Uhr

Wir kennen sie alle: Die Händler am Straßenrand mit ihren überquellenden Körben an Obst und Gemüse. Doch was mir da im Frühjahr so grün entgegen leuchtet, kann ich mir zunächst nicht erklären. Es könnten
Bohnen sein??? Aber zu dieser Jahreszeit? Bei uns werden die Bohnen erst im Mai gesteckt, nach den Eisheiligen. Da, schon wieder ein Händler an der Kreuzung, einige der langen Gewächse liegen schon fast auf der Straße. Ich mache mich groß, so gut es halt geht, recke meinen Hals, versuche, einen genaueren Blick zu erhaschen, und touchiere fast das Fahrzeug vor mir. Uff, gerade noch gebremst. Jetzt reicht es! Ich beschließe, meiner Neugier ein Ende zu setzen und meine italienische Nachbarin Elia zu fragen. Ich erkläre ihr: „Ich weiß, wie Erbsen aussehen, kenne weiße Bohnen und grüne Bohnen.“ Ob sie wisse, was denn da zur Zeit am Straßenrand verkauft würde?“ „Na, Fave natürlich! Buonissimo. Devi assagiare! Die musst du einfach probieren!“
Prompt steht Elia am nächsten Tag bei uns vor der Tür, mit einem ganzen Berg Bohnen im Arm. Und nun, was mach ich damit?

Erst einmal muss ich mir einen Exkurs in „Bohnenkunde“ anhören:
„Fave gehören zu den ältesten Kultur- und Nutzpflanzen Europas. Archäologische Spuren führen bis in die Steinzeit zurück. Und im Rom der Kaiserzeit waren sie nicht nur ein beliebtes Essen der armen Bevölkerung. Wer eine Handvoll Bohnenkerne hinter sich schmiss, wollte so böse Hausgeister vertreiben. Auch Goethe hat dieses zarte Frühlingsgemüse auf seiner „Italienischen Reise“ lieben gelernt. Denn hier in Italia gilt dieses Gemüse als so fein wie zarte Erbsen. Man isst sie nicht, wenn sie ausgewachsen sind, sondern noch ganz jung.“ Elia nimmt eine der derben, ca. daumendicken grünen Schalen, die ca. 20 cm lang ist, öffnet sie und es liegen darin flache, breite Kerne von ca. 1,5 cm Größe. Das Pulen kann losgehen! Denn bis man an dieses saftig-grüne Herzstück gelangt, fällt viel Abfall an. Aus 1 kg Schoten gewinnt man ca. 300 g Kerne!
Inzwischen weiß ich, aus meiner Gartenliteratur, bei uns kennt man die Fave als Dicke Bohne, Saubohne oder Puffbohne. Diese in Deutschland am häufigsten angebaute Gartenbohne ist bei uns meist nur mit ausgereiften Bohnenkernen zum Verzehr bekannt. Der Name Dicke Bohne ist allerdings irreführend: Fave sind nicht dick, machen auch nicht dick und sind auch keine Bohnen. Sie zählen zwar zu den Hülsenfrüchten, aber eben nicht zu den Bohnen (Phaseolus), sondern zu den Wicken (Vicia), sind also eher Erbsen. Und da es Erbsen sind und keine Bohnen, darf man die „Dicken“ auch roh essen, denn in ihnen steckt kein giftiges Phasin, wie in den grünen Bohnen. Alles klar? Verwirrung komplett?

Dann kommen wir nun zum Wesentlichen: Einfache Rezepte, blitzschnell zubereitet!

1. Rezept
Einfach pulen, roh in etwas Salz oder Olivenöl  tauchen und  vernaschen.

2. Rezept
350 g Makkaroni
300 g Fave
½ gehackte Zwiebel
8 Blätter Basilikum
4 Tomaten
2 EL Olivenöl
1 Prise Salz
geriebenen Parmesan

 

In einer Pfanne Olivenöl erhitzen, gehackte Zwiebel und Bohnen zugeben und ca. 10 Min. anrösten. Anschließend die gewürfelten Tomaten beigeben. Das Gemüse kurz braten, Salz und Basilikum zufügen.
Zum Schluss mit dem geriebenen Parmesan würzen und mit den gekochten Nudeln vermengen.


3. Rezept
350 g Tagliatelle
800 g Fave
200 g saure Sahne oder hier: Sour Creme / Creme fraiche
1 Zitrone
Schnittlauch
50 g Parmesan
30 g Butter
80 g Schinken
Salz und Pfeffer

Die dicken Bohnen aus der Hülse lösen und ca. 3 Minuten in siedendem Salzwasser blanchieren.
Die Tagliatelle bissfest kochen.  Saure Sahne, Butter, gehackten Schnittlauch und gewürfelten Schinken zusammen in einen kleinen Topf geben und erhitzen. Mit wenig Salz und Pfeffer abschmecken.

Die Soße unter die Tagliatelle mischen, ebenso den frisch geriebenen Parmesan und die Bohnen. Zum Schluss die Schale der Zitrone darüber reiben.
Buon appetito!


Anmerkung der Redaktion: Inzwischen kann man die Saubohnen kaum noch frisch kaufen, aber nehmen Sie doch einfach tiefgekühlte Fave zum Nachkochen des Rezepts!

 

 
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