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An meine Urlaubslektüre stelle ich immer besonders hohe Anforderungen. Sie soll ausnehmend spannend und leicht lesbar sein, weitgehend frei von Oberflächlichkeiten - was ja schon wieder langweilig wäre - und im Idealfall noch etwas mit dem jeweiligen Urlaubsort zu tun haben. Keine leichte Aufgabe also, hauptsächlich weil die Transportkapazitäten begrenzt sind und an vielen Urlaubsorten eine falsche Auswahl kaum noch zu korrigieren ist. Ich hatte in diesem Jahr vier ganz unterschiedliche Bücher dabei, die ich diesmal nicht nacheinander, sondern weil sie so verschieden sind, abwechselnd gelesen habe. Der Roman „Insel der Vergessenen“ von Victoria Hislop hat seinen Schauplatz auf der griechischen Insel Kreta. Es geht um die Geschichte der jungen Archäologin Alexa, deren Lebensziele sich verändern, je tiefer sie in die Geschichte ihrer Mutter eintaucht, die ihr nie etwas von ihrer Heimat berichtet hat und deren Wurzeln sie nicht kennt. Neugierig geworden reist sie von England nach Kreta und entdeckt Spinalonga, eine kleine Kreta vorgelagerte Insel, die bis 1957 die letzte Leprakolonie Europas war, und zu der sie eine ganz spezielle Verbundenheit entwickelt. Mehr noch als die Einsichten und Konsequenzen die Alexa in der heutigen Zeit für sich und ihr Leben zieht, haben mich die Einblicke in die vergangene Zeit und was es für die Menschen damals bedeutete „aussätzig zu sein“ gefesselt. Eindruckvoll, authentisch und mit einem gelungenen Maß an Emotion, ohne in den Bereich einer Leidensgeschichte abzugleiten, ist es der Autorin gelungen, die Menschen zu zeigen, die mit der zu jener Zeit unheilbaren Krankheit gelebt haben. Eine schöne Geschichte, bei der auch die Insel Kreta in ihrer vielfältigen Schönheit und ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten nicht zu kurz kommt. Einige, der im Buch beschriebenen Plätze habe ich tatsächlich mit anderen Augen betrachtet, als hätte ich nur im Reiseführer über sie gelesen. Vanessa Kullmann kennt sicher nicht jeder, doch „Balzac“ ist vermutlich vielen ein Begriff. Vanessa Kullmann ist die Frau, die sich hinter der Coffee-to-go Geschichte in Deutschland verbirgt. In ihrem Buch „Keine große Sache“ beschreibt sie ihren Weg von der Praktikantin in New York, die täglich viele Stunden in den Warteschlangen bei Starbucks, dem amerikanischen Pendant zu ihrer heutigen Balzac Kette, verbringt. In Amerika war sie „das Kaffee-Mädchen“ für die Mitarbeiter der Fashion Agentur, in der sie hospitiert hat, weil es ihre Aufgabe war, mehrmals täglich Kaffee Spezialitäten „to go“ ins Büro zu holen. Heute ist es für sie ein Kompliment, in Deutschland für ihre Familie, Freunde und Geschäftspartner das Kaffee-Mädchen zu sein, weil sie ihren Traum, Deutschland eine neue Kaffee Kultur zu bringen, verwirklicht hat. Das Buch ist leicht, launig und humorvoll geschrieben, liest sich einfach und ist problemlos in wenigen Stunden durchzulesen. Es wird sicher allen gefallen, die noch von einer Geschäftsidee träumen und sich nicht trauen, den ersten Schritt, der „.. keine große Sache ..“ ist, zu tun. Für mich war dieses Buch ein absolutes „must“, weil ich mich an Vanessa Kullmanns Geschäftserfolg maßgeblich beteiligt fühle. Ich habe in Hamburg jahrelang nahezu täglich größere Summen in ihre köstlichen Kaffee Spezialitäten (Caramel Macchiato) und vor allem in die für mich besten Brownies der Welt investiert. Jetzt weiß ich auch, dass das Rezept von ihrer Mutter entwickelt wurde und müsste nur noch herausfinden, wie es denn detailliert lautet. Im Gegensatz zu den exakten Brownie-Zutaten lüftet die Autorin Geheimnis des perfekten Milchschaums, was auch schon eine Offenbarung ist. Wer Coffee to go mag und Geschichten vom „Tellerwäscher zum Millionär“ liebt, dem wird dieses Buch gefallen, denn es ist frisch und modern, erzählt von Rückschlägen wie von Erfolgen, beinhaltet viele nützliche Tipps, vom Businessplan bis zu Ladenmieten und macht Mut, es auch einfach zu versuchen. Ein ganz hervorragendes Buch „Reputationsmanagement“ stammt von Susanna Wieseneder. Zugegeben, es ist ein Sachbuch, dessen Titel wesentlich trockener klingt, als sich der Inhalt liest. Tatsächlich führt uns die Autorin zu ebenso spektakulären wie simplen Einsichten über verwirrende Verhaltensweisen und Merkmale, die wir bei anderen Menschen instinktiv als „nicht echt“ wahrnehmen, ohne jedoch benennen können, was „falsch“ sein könnte. Es geht um das Zusammenspiel zwischen dem Image, das einen kurzfristigen, zweckgebundenen Eindruck vermittelt und der langen beständigen Geschichte der Reputation eines Menschen. Das Buch ist meiner Meinung nach für Führungskräfte unerlässlich, weil es ausnahmsweise einmal nicht um „die Anderen“ geht, sondern um die Investitionen, die eine Führungskraft in sich selbst tätigt, um angemessen und nachhaltig mit den eigenen Leistungen verknüpft zu werden. Es wird deutlich, dass Anerkennung nur eine fortwährende Wirkung haben kann, wenn sie in einen authentischen Kontext eingebunden ist. Besonders gut haben mir die Kapitel darüber gefallen, dass Personalisierung, also ehrliche Individualität, langfristig an Einfluss gewinnt. Außerdem macht das Kapitel „Warum es Sinn macht, glaubwürdig und anständig zu sein“ deutlich, dass die sogenannten „alten Werte“, wie z. B. Ehre, Moral, Verlässlichkeit usw. niemals ein veraltetes Konzept sein können, sondern vielmehr den Rahmen für ein solides strategisches Erfolgshandeln bilden müssen. Ich kann versprechen, dass das Buch sehr spannend ist, also nicht vom Titel abschrecken lassen. Keine Angst, es ist weder eine konservativ-reaktionäre Gebetsmühle, noch ein Buch für Hobby-Psychologen. Es geht anhand zahlreicher Fallbeispiele aus Politik und Wirtschaft um Kontinuität und Erfolg durch persönliche Gradlinigkeit. Ein Ansatz, der, wie ich finde, nie falsch sein kann und für dessen Thematik Job Coach und Unternehmensberaterin Susanna Wieseneder meisterhaft Interesse zu wecken versteht. Um auch im Job damit zu arbeiten, verfügt das Buch darüber hinaus über ein umfangreiches Quellenverzeichnis, das nicht nur dazu anregt, Belege zu sammeln, sondern vor allem ermutigt, sich stärker mit diesem für Beruf und Privatleben wichtigen Thema auseinanderzusetzen. Das letzte Buch meiner Vierer-Urlaubslektüre-Riege ist ein Buch, das dazu beitragen soll, auf spielerische Weise den englischsprachigen Wortschatz zu aktivieren. Ich habe es gekauft, weil mir der Titel „Englisch für Büffelmuffel“ von Rene Bosewitz und Robert Kleinschmidt so gut gefiel. Die Idee basiert darauf, über eine unterhaltsame fortlaufende Geschichte die dazugehörigen Vokabeln und die Grammatik zu vermitteln. Nach jedem Absatz erfolgen Übersetzungen und Erläuterungen. Für meinen persönlichen Bedarf waren die Redewendungen zu britisch, ich benötige zur Pflege meiner beruflichen und privaten Kontakte eher das amerikanische Englisch, doch das ist ja kein Fehler des Buches. Außerdem bevorzuge ich Bücher, in denen auch die Erklärungen in der Fremdsprache abgefasst sind. Doch für jeden, der etwas aus der Übung ist und seinen Wortschatz in abwechslungsreicher Weise ein wenig trainieren möchte, ist das Buch gut geeignet. Die Übungen sind einfach und leicht verständlich. Am interessantesten in diesem Zusammenhang dürfte die Information sein, dass es aus der Reihe Sprachen für Büffelmuffel auch das Buch „Italienisch für Büffelmuffel“ gibt. Es ist nach dem gleichen Konzept über eine Geschichte, die sich der Leser erarbeitet, aufgebaut. Viel Spass beim Lesen und allen Lesern der Piazza Tedesca einen schönen Sommer und Urlaub!
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