| Caruso, Toto und die Seele der Stadt - Der Golf von Neapel von Peter Peter |
| Geschrieben von: Malte v. Vultejus | |||
| Dienstag, den 11. November 2008 um 12:23 Uhr | |||
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Es ist ein wenig schade, dass ich auf dieses Buch nicht schon früher aufmerksam geworden bin. Denn dann hätte ich so manches, das mir bei den Unternehmungen und Entdeckungsreisen in unserer Region begegnet ist, mit anderen Augen gesehen und das Besichtigungsprogramm anders gestaltet. Das Buch von Peter Peter (kein Irrtum, der Autor heißt bzw. nennt sich wirklich so!) „Golf von Neapel – Literarische Entdeckungen zwischen Neapel, Sorrent, Amalfi und Capri“ enthüllt interessante Hintergründe über Neapel und seine Umgebung nicht als normaler Reiseführer, sondern würzt die Beschreibung der Region mit Geschichten hinter der Geschichte, manch Kuriositäten und erstaunlichen Episoden. Ergänzt wird das behandelte Thema mit Zitaten und Literaturverweisen in den einzelnen Artikeln sowie einem detaillierten Quellen- und Literaturverzeichnis am Ende des Buchs. Hier nur einige Appetithäppchen aus dem Buch zum neugierig machen: Jedem, der hier eine längere Zeit verbringt, dürfte schnell klar sein, dass es in Neapel den besten Espresso der Welt gibt. Aber wie es der Autor in seinem Artikel „Kultgetränk Espresso“ beschreibt, gibt es die entsprechende Probe, um einen wahren neapolitanischen Caffe herauszufinden... Vielleicht wissen wir auch noch, dass der berühmte Belcanto eigentlich aus Neapel kommt, und von dem berühmten Enrico Caruso in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in alle Welt gebracht wurde. Aber er war schon vor ihm da und ist mit ihm nicht ausgestorben. Übrigens ist Caruso als Weltstar niemals mehr im altehrwürdigen Teatro San Carlo seiner Heimatstadt aufgetreten, getreu seiner Einschätzung: „Die Krippe (= Neapel) ist schön, aber die Hirten taugen nichts!“ Er war dort in seinen Anfangsjahren 1901/02 zumindest bei den Kritikern erbarmungslos durchgefallen. Heutzutage haben sowohl „Neomelodici“ (eine Art Schnulzensänger) wie Gigi d’Alessio als auch der Vorreiter der multikulturellen, experimentellen Neapolitan Power Music, Pino Daniele, ihre Anhängerschaft. Die Musikszene in Neapel boomt und hat es immer. Der Spruch „Ich bin ein Kind Neapels und wenn ich nicht singen darf, dann sterbe ich“ umschreibt die Bedeutung der Musik als Seele und Identität der Neapolitaner. Das hat die ganze Welt angesteckt. So wurde die polnische Solidarnosc-Hymne auf „Santa Lucia“ getextet, der erste Kosmonaut im All, Jurij Gagarin, intonierte in seiner Raumkapsel kein russisches Volkslied, sondern sinnigerweise „O Sole Mio“ und die Wachablösung der dänischen Königsgarden marschiert immer noch zu „Funiculi Funicula“. . . Oder ist einem so richtig bewusst, dass Capri, so die Beobachtungen des Autors, inzwischen out, nur für den touristischen Kurzbesuch geeignet ist und ansonsten seine Blütezeit längst erlebt hat – nämlich um die Wende zum 20. Jahrhundert? In dieser Zeit des Aufbruchs und der Neuorientierung(en) in Europa frönten superreiche, verwöhnte Dandys ein exzessives Leben auf Capri, das ihnen der römische Kaiser Tiberius, genervt von der Eintönigkeit und Moral der Welt der Sterblichen, in seiner Inselvilla mit Orgien, Lustknaben, usw. vorgemacht hatte (wobei, wir die heutige Forschung zu wissen glaubt, das alles nur üble Nachrede der antiken Schreiber war). Oder ist vielen bekannt, dass die Sorrentinische Halbinsel und insbesondere Capri, der inspirierende Aufenthaltsort universeller Denker und Philosophen, wie Friedrich Nietzsche, und revolutionärer Schriftsteller, wie Maxim Gorki, waren? Der Salonrevolutionär Gorki verließ die Insel nach langjährigem Aufenthalt, einem Ruf Stalins nach Moskau folgend. Letztendlich wurde Gorki in den Säuberungen der 1930-er Jahre unter mysteriösen Umständen vergiftet – süffisant könnte man anmerken: wenn er auf Capri geblieben wäre, hätte dort ein derartiger Tod sicherlich stilvoller inszeniert werden können... Peter Peter beschreibt auch die sprichwörtliche Volkstümlichkeit und den Aberglauben der Neapolitaner. Interessant ist dabei vor allem die Abhandlung über die einzigartige Krippenkultur Neapels, die durch eine untypische Prinzipien- und Regeltreue erstaunt. Aber einer darf in dem Buch nicht fehlen, wenn es um die kulturelle Seele der Stadt am Vesuv geht. Peter beschreibt in dem Beitrag „Der Fürst des Lächelns“ das Leben und Wirken des legendären Volksschauspielers, Philosophen und Poeten Toto, der eigentlich Antonio de Curtis hieß und der uneheliche Sohn eines verarmten Conte (Graf) mit einem Dienstmädchen war. Immerhin erstritt Toto 1946 nach Gründung der Republik Italien alle seine Adelstitel vor Gericht in Rom. Das tat seiner Beliebtheit keinen Abbruch – im Gegenteil: als Toto 1967 starb, trauerte ganz Neapel. Das Volk entriss den Sargträgern den Sarg und brachte ihn im Triumphzug in die Kirche. Und so reiht sich in dem Buch Hinter- an Vordergründiges und Kurioses an Erstaunliches – und macht neugierig, dieses selbst zu entdecken oder nachzuspüren. Dabei sind Zitate und Beschreibungen unbekannter und prominenter Neapelreisender, wie Goethe, sinnvoll eingepflochten. Zum Buch:
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