| Teatro di San Carlo - Vom Wahnsinn der Menschheit zu einem der wichtigsten Theater Europas |
| Geschrieben von: Roland Pflüger | |||
| Montag, den 10. November 2008 um 20:33 Uhr | |||
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Sicherlich hat jeder ‘Deutsch-Neapolitaner’ schon von dem wunderschönen Theater San Carlo, welches mit 3.300 Plätzen jahrelang das größte Opernhaus der Welt war, gehört, oder war sogar schon einmal während einer Aufführung als Gast anwesend.
„Das Theater ist schön“, schrieb schon Mozart im Jahre 1770 seiner Schwester nach Salzburg, und in der Tat ist der Innenraum mehr als prunkvoll ausgestattet: Eine majestätische Bühne, auf der unter anderem schon Kaiserin Elisabeth „Sissi“ gesessen hat. Prächtig dekorierte Balkone, wunderschöne Logen, eine riesige Bühne und eine prachtvoll verzierte Decke machen das Opernhaus zu einem der schönsten der Welt. Doch leider hat die Geschichte auch eine äußerst dunkle Seite von dem Theater und Neapel zu berichten. Im goldenen Zeitalter der italienischen Oper (im 18./19. Jahrhundert) war der „Einsatz“ von Frauenstimmen auf Bühnen verboten. Selbst Marionetten in Frauengestalt wurden nicht geduldet, da man bei dem Anblick der hölzernen Schenkel auf böse Gedanken hätte kommen können. Dennoch brauchte man natürlich die hohen Stimmen. In dieser Zeit ist Neapel zum Zentrum der Kastration geworden. Kleine Jungen im Alter von sechs, sieben Jahren wurden von Dilettanten verstümmelt, weil man Ihre hohen Stimmen brauchte. Viele dieser Jungen starben an den Folgen von Infektionen oder verbluteten ganz jämmerlich. Trotzdem gaben arme Bauern immer wieder ihre Söhne gegen Geld an Privatlehrer oder an Konservatorien (die Ausbildungsstätten für Musiker), die dann für die Jungen verantwortlich waren und somit auch die Entscheidungsgewalt über eine eventuelle Kastration hatten. Den Profit, den die Jungen dabei einheimsten, durften die Lehrer ‚selbstverständlich’ einbehalten. Glücklicherweise gehört dies nun alles der Vergangenheit an und man(n) braucht sich nicht mehr fürchten, in der Nähe des San Carlo als potentieller Opernsänger entdeckt zu werden. Selbst wenn, eines ist selbst in Neapel sicher: Die Kastration gibt es nicht mehr.
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